Am 12. 12. beginnt in Carezza endlich meine Weltcupsaison: Ich freue mich, dass es losgeht. In diesem Winter steht ja bekanntlich nicht ein Großereignis – Olympischen Spiele oder Weltmeisterschaften – im Terminkalender, sondern insgesamt sieben! Jedes Weltcuprennen ist ein Großevent, bei insgesamt sieben Chancen, um für den Gesamtweltcup-Sieg zu punkten. Darum geht´s heuer. So sehe ich es. Und mit dieser Sichtweise, das ist mir bewusst, stehe ich vielleicht ziemlich alleine da…

Womit ich zum eigentlichen Thema dieses JD13 Blogs komme: Der Quervergleich – und damit das Bewerten – bleibt leider auch bei uns im Snowboard-Sport nicht auf die Renn-Performance beschränkt. Denn quasi als Funktionärskernvolkssportart über alle Sportarten und -sparten hinweg hat sich der Zwang entwickelt, sportliche Disziplinen in die Kategorien „wertvoll“ / „wertlos“ und „wichtig“ / „unwichtig“ einteilen zu wollen. Als beliebige Kriterien zählen meist die großen G´s im Leben: Geld und Geltung. In Österreich ist die Matrix aufgrund der überschaubaren Anzahl an Sportarten, in denen wir international erfolgreich sind, schnell aufgezeichnet: Es gibt im Großen den Vergleich zwischen Sommer- und Wintersportarten, zwischen Fußball und Skifahren und dann noch einen von ÖSV-Sparten untereinander. Und dann gibt es ein paar Beneidenswerte, wie etwa meinen lieben burgenländischen Landsmann Bernd Wiesberger, der als einer der besten Golfer der Welt sein eigenes Ding macht und mit diesen Ebenen gar nicht so sehr in Berührung kommt.

Was ich sagen will, ist: Die öffentlichen Zuschreibungen und Wahrnehmungen von Sportarten sind im Wesentlichen die Quersumme des Engagements von (Sport-)politik, Wirtschaft und Medien. Mit dem persönlichen Empfinden von AthletInnen hat das zumeist wenig bis nichts zu tun.

Ich lebe noch immer meinen Kindheitstraum, Sportlerin zu sein. Mich hat schon als Kind die Bewegung begeistert und ich wollte Fußballprofi, Skateprofi, Geräteturnerin, Basketballprofi und noch ein paar andere Dinge werden. Schlussendlich ist es Snowboarden geworden. Ich habe mich stundenlang alleine mit mir selbst und mit Sport beschäftigt: gegen die Wand im Garten geschossen und mich in einem riesigen Stadion gesehen, Schwünge am Familienhügel gezogen und vom Weltcup geträumt. Aus dieser Motivation heraus bin ich Leistungssportlerin geworden, aus dieser Motivation heraus bin ich noch immer aktiv: aus Liebe zur Bewegung.

Was und wie viel sind Sportarten wert? Und somit deren SportlerInnen? Ist Olympiagold gleich Olympiagold? Zählt ein Sieg im Gesamtweltcup mehr, wenn man viele oder weniger Chancen zum Punkten hat? Wie viele Skirennen zählt ein Snowboardrennen, wenn wir doch mehrere Durchgänge fahren? Was sagt es wirklich über eine Sportart aus, wenn wir Fernsehminuten und Zeitungsberichte addieren? Oder Preisgeld-Summen? Oder Zuschauerzahlen? Sagt das wirklich etwas über das Wesen einer Sportart aus?

Nicht für uns AthletInnen. Nicht für die, die wir inspirieren können. Sport lebt und erfüllt durchs Tun, nicht durch irgendwelche Summen.

Der Snowboardweltcup umfasst sieben Weltcuprennen. Wenig? Die Frage stelle ich mir nicht, weil weder die Challenge dadurch kleiner oder das Training weniger wird. Sieben Rennen: jedes Rennen ist ein Großevent im Wettbewerb um die große Kugel. Darauf konzentriere ich mich. Und für alle einschlägigen Interviewfragen, was das Wert ist, gleich hier meine voraussichtlich zu erwartenden Antworten… 😉

NEIN, ich blicke nicht neidisch zu den Top-Skifahrern rüber, weil sie so viele Rennen mehr haben und so viel mehr Preisgeld gewinnen können.

NEIN, ich habe mir noch nie darüber den Kopf zerbrochen, wie mein Leben wäre, wäre ich mit Olympiasieg Skifahrerin. DOCH, ich glaube fix daran, dass kein(e) SpitzenathletIn weltweit die Begeisterung für den eigenen Sport aus den Verdienstchancen ableitet.

JA, ich finde wirklich, dass die jahrelange Arbeit im Fußball und die Leistungen der Jungs sich verdient hat, dass sie jetzt mal im Fokus stehen.

JA, ich kann mich tatsächlich mit jeder / jedem Athleten (Sportart völlig egal) mitfreuen, wenn er gewinnt, weil Erfolg immer inspirierend ist.

UND JA, ich würde mich wieder für Snowboard entscheiden, um meine eigenen Träume zu verwirklichen und nicht die von anderen Leuten.

 

Ich habe aus meinen Yoga-Ausbildungen einen wichtigen und richtigen Satz mitgenommen:

„Wenn ein Mensch nicht begehrt,
was in Besitz von anderen ist,
werden andere Menschen alles
mit ihm teilen wollen, wie kostbar
es auch sein mag.”

– Patanjali, Yoga Sutra 2.37

In diesem Sinne, Ihr Lieben: Weltcupstart am 12.12. in Carezza, Italien. Ready to go! Wen´s noch begeistert – ORF Sport+ überträgt das Rennen live.

 

Eure Julia XO