Morgen beginnt für mich die Rennsaison 2015/16 mit einem Europacuprennen, die Besten aus dem Weltcup sind am Start. Auch wenn ich meine Slalomtage noch auf einer Hand abzählen kann, fühle ich mich absolut konkurrenzfähig 🙂 Das Board läuft gut im Training.

Mein Ellenbogen fühlt sich wieder sehr gut an! Eine Carbonschiene gibt mir den nötigen Schutz um auch wieder an’s Limit gehen zu können. Einzig meine Bizepssehne, die noch nicht ganz happy ist. Wir trainieren in der Skihalle in Landgraaf, was jetzt zwar nicht im klassischen Sinn ein Berg, aber für diese Zeit im Jahr recht praktisch ist. Ich bin voll happy, wieder back on Track zu sein. Denn in den sechs Wochen davor habe ich wieder einmal gelernt: Verletzungen sind auch nur Ausdauertraining. Für die eigene Geduld nämlich…

Im Spitzensport muss alles immer schnell gehen. Besser noch schneller als schnell. Comebacks sind schon fast eine eigene Disziplin. Vielleicht erklärt das IOC ja irgendwann Comebacks statt Olympiaabfahrt und Snowboardparallelslalom zu olympischen Disziplinen, wenn die beiden Sportbewerbe doch angeblich so unglaublich teuer sind. In der Sportart Comeback gibt es verbreitete, bei näherer Betrachtung völlig unsinnige Gedanken. Etwa all die vielen Sprüche von wegen „Nur die Harten kommen durch“, „Nicht nachgeben“, „Du musst kämpfen, die Zähne zusammenbeißen und durch“: alles scheiternde Versuche, sich die Auseinandersetzung mit den eigentlichen Ursachen, mit sehr persönlichen Themen, zu ersparen. Als wüsste unser Körper nicht am allerbesten, wie lange er für welchen Prozess brauchen will. Für einen Schnupfen. Für eine Grippe. Für einen lädierten Ellbogen. Sicher weiß unser Körper das besser, als unser logisches Denken.

Wenn jemand, wie ich, von der Slackline fällt und sich weh tut… Natürlich kann man sagen „Mah, so ein Pech!“ und sich dabei selbst unendlich leidtun. Man kann hadern, sich ärgern (am allermeisten über sich selbst). Oder: man versucht die Verletzung zu interpretieren. Es gibt Gründe, warum sich der Körper aus dem Rennen nimmt und für eine Pause sorgt. Man kann sich einen mentalen Sport draus machen, von einer Verletzung zu profitieren: Worauf fokussiere ich mich? Auf die Angst, dass sich die Genesung lange ziehen könnte? Oder auf eine innere Story inklusive Film, wo ich mich wieder komplett fit sehe?

Es ist immer die Entscheidung, wohin man die eigene Energie lenkt und es gibt immer nur zwei Möglichkeiten: hin zur Verletzung oder hin zur Heilung. Sturz von der Slackline schreit ja irgendwie danach, dass bei einem selbst etwas nicht in Balance ist. Kaum hatte ich mir selbst diese Frage gestellt, war´s auch wieder easy für mich, mit der eigenen Ungeduld umzugehen. Und einmal mehr war es Yoga, das mir geholfen hat, innerlich wieder in die Balance zu kommen. Mit der Erkenntnis, dass Heilung so lange dauert wie sie dauert – und man dabei nichts versäumt. Im Gegenteil: Je weniger man trainieren kann, desto mehr trainiert man – die Ausdauer für die eigene Geduld.

Alles Liebe und bis zum nächsten BLOG JD13,

Eure Julia xo