22. Februar 2014: Heute vor zwei Jahren bin  ich in Sotchi Olympiasiegerin im PSL geworden. Der Gedanke daran aktiviert die Erinnerung an meinen Weg bis zu diesem besonderen Tag – und von diesem besonderen Tag weg bis heute.

Eine dichte Abfolge intensivster Eindrücke und Erfahrungen. Olympionikin zu sein, das bedeutet den Moment zu leben – immer und immer wieder, bis dann der vielzitierte Moment X gekommen ist, der so viel entscheidet und auf den alles zuläuft. Olympionikin bedeutet auch zu lernen, all diese Momente nicht mehr in positiv oder negativ einzuteilen. Weil man draufkommt: die Ups, die Downs, die Erfolge, die Enttäuschungen – es ist alles wichtig für die persönliche Entwicklung als Athletin und Mensch.
Wie sonst im Leben auch zählt auch im Spitzensport nicht, was man irgendwann getan hat – es zählt das, was man als nächstes tut. Und so wie ich im Februar 2012 die „Road to Sotschi“, meinen Olympiafahrplan für 2014, definiert habe, so nütze ich diesen Jahrestag heute, um den ersten Schritt auf meinen „Way to Pyeongchang“ zu tun. In der Logik des Sports mag das etwas ungewöhnlich klingen, weil sie besagt, dass jeweils nur das nächste Rennen zählt und das findet für mich schon am Wochenende in der Türkei statt. Das nächste Ziel wäre dieser Logik folgend, die laufende Saison möglichst gut beenden. Danach eine gute Vorbereitung auf den nächsten Winter mit einer WM als Höhepunkt und dann erst…
Ich mach das anders. Das eine (die Logik des nächsten Schrittes), schließlich für mich das andere (den Fokus auf das Olympiarennen) nicht aus – im Gegenteil: Meiner Erfahrung nach ist es so, dass ein Energieschub entsteht, wenn ich beides überlagere und mich nicht nur auf das Lineare, sondern gleichzeitig auch auf die Parallelität konzentriere. Jetzt kommt etwas, dass in der Logik des Sports vielleicht noch ungewöhnlicher – oder sagen wir: für Beobachter ungewohnter – ist: Ich formuliere jetzt schon mein klares Ziel. Ich will 2018 in Pyeongchang wieder, zum zweiten Mal, Olympiasiegerin werden! Meinen PSL-Titel kann ich, wie es jetzt aussieht, ja leider nicht verteidigen, weil der Bewerb nicht mehr im Programm ist. Ich habe mich vor Sotschi 2014 auf Olympiagold festgelegt und ich tue es jetzt (schon). Ich kann auch alle verstehen, die das nicht tun: Man ist weniger exponiert, weniger den Bewertungen anderer ausgesetzt, weniger mit den eigenen Ängsten vorm Scheitern konfrontiert nach der Devise „Schau ma mal, dann seh ma eh!“ Ich für meinen Teil brauche dieses Commitment mit mir selbst, es öffentlich zu machen ist schon Teil der Fokussierung.
Ab heute werde ich innerlich jedes Training, jedes Rennen immer mit den Olympischen Ringen überlagern. Ich werde im Geiste immer wieder diese intensiven Momente durchspielen, wie ich das Olympische Trikot überziehe, wie ich den Lauf besichtige, wie ich im Startgate stehe und wie sich die Überzeugung anfühlt, das Rennen zu gewinnen. Wie es ist, über die Ziellinie zu fahren und wie dieser Traum nach und nach im Bewusstsein Wirklichkeit wird, wenn man es geschafft hat. Ich werde den Moment imaginieren, in dem ich aufs Podium steige, den Blick in Olympische Feuer, meinen Herzschlag. Ich werde diesen inneren Film immer und immer wieder ablaufen lassen.
Die erste Goldmedaille für das Burgenland, die erste für den österreichischen Snowboardsport: Neu ist diesmal für die kommenden Jahre (etwas mehr als 700 Tage), dass ich schon eine reale Erfahrung habe: für das was vor den Spielen wichtig ist, während der Spiele und in der Zeit danach. Die Zeit davor beginnt hier und jetzt – und ich freue mich, wenn Ihr mich begleitet.

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