Ich

LEBE: seit 12. Juni 1987 im Burgenland, in Wien, in Hotelzimmern und zwei Monate auf Hawaii

LIEBE: meine Familie, Partner Bernhard Sieber, viele andere Menschen, Natur, den Sport und das Leben

WERDE: auf mein Gefühl vertrauen

MÖCHTE: jeden Tag lachen

HALTE: alles für möglich

LESE: aktuell gerade „Anatomy of the Spirit – Caroline Myss“

LERNEviel über Kommunikation und Coaching für meinen MBA an der University of Applied Siences / FH Burgenland

BINgern daheim im Burgenland, hoffentlich meistens openminded, sozial engagiert und eine ausgebildete Yogalehrerin

ESSE: kein Fleisch und am liebsten Gemüsepfanne mit Couscous

TRINKE: gern Wasser, Kaffee, Tee und wenn es sich ergibt sehr gerne wirklich guten Wein 

FINDE: die besten Snowboard‐Spots in Obertauern, Colorado, Matrei, Zauchensee, Burg Güssing und Kite-Spots in Podersdorf und Maui

REISE: gerne und viel und weltweit zum Snow‐ und Kiteboarden, zum Surfen, Biken oder einfach so

MACHE: gerne nach dem Aufstehen Yoga, besuche Künstlerateliers und chille in der Hängematte

SCHÄTZE: Tage ohne Handy und Internetverbindung

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KARRIERE

Bei 0,75 Sekunden Rückstand in einem Snowboard-Finale nennt man den letzten Lauf, der noch zu fahren ist, normalerweise Training. Julia Dujmovits verwandelte im Olympia- PSL von Sotchi Aussichtslosigkeit in einen magischen Moment der Sportgeschichte. Nur ein szenischer Höhepunkt in einer Lebensgeschichte wie im Roman.

Ihre Lebensgeschichte: Sie begann ganz anders, als die im Nachhinein immer irgendwie logisch wirkenden Biographien von OlympiaheldInnen. Kühlgeräte in Alaska verkaufen, ein Solarium im Death Valley betreiben: Wäre Logik im Sport eine Kategorie, hätte beides eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit gehabt, als Julia Dujmovtis´ Traum von einer Olympia-Goldmedaille.

Sulz im Burgenland, der Ort, in dem sie zusammen mit drei Brüdern aufwuchs, liegt auf 228 Metern Seehöhe. Geografisch an der ungarischen Tiefebene, weit weg von allem, was man mit Wintersport assoziieren würde.

Die Eltern hatten Julia und ihren Brüdern Weihnachten ´95 ein Snowboard geschenkt. Zum Ausprobieren, wie sie meinten. „Ich möchte einmal Snowboarderin werden“, sagte die Volksschülerin nach ersten Geh und Rutschversuchen im Skiurlaub. Ein bisschen klang sie dabei wie Grisu, der kleine, feuerspeiende Drache, der unbedingt Feuerwehrmann werden wollte.

Eine Kindliche Phantasie!? Mitnichten. Julia gehörte nämlich einer Clique an, in der alle denselben Traum träumten: Snowboarden. Und weil alle diese Kinder Eltern hatten, die die Liebe ihrer Sprösslinge zum Sport förderten, schwärmte eine verschworene Gang Wochenende für Wochenende zum Training in die Berge aus. Was anmutete wie das Austro- Remake des Kino-Klassikers Cool Runnings (der Film über eine jamaikanische Bob-Olympiamannschaft), hatte Drive und Spirit. Acht Flachland-Kinds – ein großer Traum von einer Karriere im Spitzensport.

11. 11. 2000. Ein Samstag. Julia Dujmovits und ihre Snowboard-Clique sind wieder einmal 431 Kilometer von Sulz im Burgenland nach Kaprun am Kitzsteinhorn gefahren. Gletscher-Training.

Die Schneebedingungen sind gut. Alle wollen in die erste Standseilbahn, um erste am Gipfel zu sein. Das übliche Gedränge um die Jahreszeit, so knapp vor der Rennsaison. Julia und ihr um zwei Jahre älterer Bruder Georg stehen bereits in der langen Reihe vorm Drehkreuz.

Coach Arthur besorgt derweil Liftkarten für das gesamte Team Burgenland. Denn Judith, Simone, Niko, Matthias, die Brüder Klemens und Paul und deren Vater Franz– müssen auch jeden Moment da sein. Die Dujmovits-Geschwister kommen in der Menschenschlange dem Drehkreuz näher…

„Julia, wir fahren mit der Gondel!“, schlägt Bruder Georg plötzlich vor. „Nein! Wir sind eh gleich drinnen“. 

Eine kurze Diskussion. „Von mir aus…“ sagt die 13jährige. Tritt aus der Reihe, stapft unwillig hinter ihrem Bruder zur Gondel. 

Als Julia und ihr Bruder dort aus der Gondel steigen, qualmt ätzender schwarzer Rauch aus der Tunnelröhre.

Eine gespenstische Szenerie. Chaos, Angst, Ungewissheit, das Handynetz bricht zusammen, nach Stunden quälenden Wartens ist es grausame Gewissheit: die Standseilbahn ist im Tunnel in Brand geraten, 155 Menschen sind in den Flammen umgekommen, darunter die Mitglieder des Burgenländischen Snowboardkaders, nur Julia Dujmovits und ihr Bruder haben überlebt. „Es ging mir wie vielen, die geliebte Menschen beim Unglück verloren hatten – Schock, Wut, Schmerz, Verzweiflung waren so übermächtig. Ich wollte nie wieder Snowboardfahren.“

Zeit heilt auch tiefe Wunden. Langsam. Nach Wochen steigt das Ausnahmetalent wieder aufs Snowboard. Und beschließt, weiterzumachen: „Weil ich das Gefühl hatte: Das bin ich meinen Freunden schuldig.“ Über ihren geliebten Sport findet Julia langsam zurück zur Lebensfreude. Von Jahr zu Jahr. Von Kader zu Kader. 2003 debutiert sie im Europacup, später fährt sie ihr erstes Weltcuprennen in Sölden. 2006 gewinnt sie bei der Junioren-WM in Korea zwei Mal Bronze – im Snowboardcross und im PGS, gestartet ist sie in allen Disziplinen.

In den darauffolgenden Jahren wird ihre Liebe zum Snowboardsport immer wieder hart auf die Probe gestellt. Auf Erfolge folgen schwere Verletzungen: zwei Kreuzbandrisse, Knöchelbruch, Schulterluxation – eine lange Liste an Rückschlägen, lange Reha-Phasen, große Zweifel. Immer wieder der Kampf zurück, immer gegen die Aussichtslosigkeit. „Irgendwann ist mir dieses Muster bewusst geworden – und mir war klar: Entweder ich ändere mich, oder der Sport zerstört mich.“

Nachdem sie verletzungsbedingt bei den Olympischen Spielen in Vancouver 2010 nicht antreten kann, beginnt Julia Dujmovits mit Yoga und Energiearbeit. Findet ihre Mitte, transformiert schmerzvolle Erfahrungen in Ressourcen für ihren Weg: „If it doesn´t challenge you, it doesn´t change you“ wird zu ihrer Maxime.

Sie nimmt volles Risiko. Nicht nur in jedem Lauf, sondern auch unternehmerisch: Schafft sich ihr individuelles Umfeld mit führenden Experten für Training, Ernährung, Mentales, Kommunikation und entdeckt Maui als ihren persönlichen Kraftplatz zur Vorbereitung auf die Weltcup-Saisonen.

Sie hat nie aufgehört den großen Traum ihrer Kindheit zu träumen: Olympia-Gold. Die WM in Stoneham (Kanada) 2013 zeigt, wie möglich das Unmögliche über die Jahre geworden ist.

Julia Dujmovits gewinnt Silber. Und programmiert ihr mentales Navigationssystem auf „Road to Sotschi“.

Schon im Vorfeld sagt sie: „Mein klares Ziel ist eine Goldmedaille.“

19. 2. 2014: Als die Medaillenentscheidung im Snowboard-PGS fällt, sitzt Mitfavoritin Julia Dujmovits allein in einem Lagerraum des Österreichhauses. Sie ist in ihrer stärksten Disziplin schon in der Qualifikation gescheitert und hat Platz 29. Wieder einer dieser Tiefpunkte ihrer Karriere. If it doesn´t challenge you, it doesn´t change you: Julia wischt sich die Tränen aus dem Gesicht, skyped mit ihrem Mentalcoach, weiß wieder „Es ist alles da.“ Sie tut, was ihr das Leben schon so oft abverlangt hatte: Sie richtet sich innerlich auf, fokussiert sich auf den drei Tage später stattfindenden Slalom.

22. 2. 2014: Ihre letzte Chance auf eine Olympiamedaille für vier Jahre. FOKUS und LINIE hat sie sich noch auf die Hände geschrieben. Und ihre Nägel in den österreichischen und burgenländischen Landesfarben lackiert. Fokus und Linie: Julia Dujmovits ist entschlossen, fährt Lauf und Lauf – bis ins Finale. „Eine Medaille ist ihr sicher“, jubeln die Kommentatoren nach dem Viertelfinale – und meinen: Silber. Denn Julia Dujmovits hat vor dem alles entscheidenden Lauf einen Rückstand von 0,75 Sekunden auf die Deutsche Anke Karstens.

Alles ist unmöglich, bis es jemandem gelingt: Julia Dujmovits holt alles auf und wird Snowboard-Olympiasiegerin. Die erste Österreichs in ihrer Disziplin, die erste ihres Heimatbundeslandes überhaupt. Im Augenblick ihres größten Erfolges widmet Julia Dujmovits ihre Goldmedaille den acht Freunden, die bei der Seilbahnkatastrophe von Kaprun ums Leben gekommen sind.

Die berührende Geste einer mitreißenden Frau. Erfolgreich, intelligent, eloquent, kreativ, lebenserfahren – in Julia Dujmovits hat Österreich eine neue Sport-Celebrity mit dem gewissen Alles. „Es war alles wie in einem süßen Traum, aus dem man nicht erwachsen will. Der Hype dauerte Monate. Erst als es stiller wurde, habe ich gemerkt:

Mein Olympiasieg war ein Abschied. Der große Traum, der mich seit meiner Kindheit begleitet hatte, war nicht mehr da. Ich habe eine Zeitlang gebraucht, mich neu zu orientieren.“

Fokus und Linie. Auf Maui (er)fand sich Julia Dujmovits im Frühsommer nach ihrem Olympiasieg wieder einmal selbst neu. Auch ihre Liebe zum Sport. Sie startete ohne Vorbereitung im 70.3 Hawaii Triathlon und wurde Elfte in ihrer Altersklasse. „Ein Olympiasieg ist das Größte für Sportler – trotzdem: Es ist nur eine Episode, nur ein Punkt auf deiner Lebenslinie. Sie geht weiter und ich gehe auf dieser Linie auch weiter. Darauf lege ich jetzt den Fokus.