So ist es mit einer großen Liebe: sie wird einem einfach nie langweilig. „Endlich komme ich wieder einmal zum Snowboarden“, habe ich vor meiner Abreise nach Nordamerika zu Bekannten gesagt. Und erst an ihren offenen Mündern erkannt: Ok, das muss für sie tatsächlich seltsam klingen, wo gerade meine Saison zu Ende gekommen ist.

Und doch stimmt der Satz: Außerhalb des Trainings bin ich in den vergangenen Jahren wirklich wenig zum Snowboarden gekommen, die Tage lassen sich an zwei Händen abzählen. Dieses extreme Freiheitsgefühl abseits der Rennpisten zu spüren, das ist ein Grund für meinen Snowboard-Trip nach Kanada und Alaska. Der andere Grund ist: Ich sehe diese Reise als Kickoff für das Unternehmen Olympia in Pyeongchang 2018. Mein Weg zu den nächsten Olympischen Spielen in Korea startet also in Nordamerika.

Last Frontier Heliskiing X.DREAM Heli Skiing #rossignolsnowboards #happyeaster

Der erste Stopp: Stewart, British Columbia. Ein verlassener Ort, der Ruhe ausstrahlt. Einst lebten hier 10.000 Menschen, beflügelt vom Goldrausch. Heute hat man das Gefühl die Zeit läuft hier unendlich langsam. Nichts für Großstadthektiker – wir Burgenländerin kennen und lieben diese entspannte Langsamkeit. Nur 7 Kilometer weiter ist die Grenze zu Alaska. Der einzig unbewachte Grenzübergang in den USA. Ab und zu ein Auto. Vielleicht schon mal in einem Film gesehen: Hyder in Alaska ist wirklich so etwas wie das Ende der Welt. Dead End. 80 Menschen leben hier, umgeben vom Panorama des zweitgrößten Gletschers der Welt – eine Perspektive, die mich fast umgehauen hat, so episch ist der Ausblick.

Erster Snowboard-Trip – safety first. Lawinenpieps: Check! Wir verlassen das verlassene Stewart mit dem Heli von Last Frontier Heli Skiing und fliegen in die atemberaubende Schönheit der Coast Mountains – danke an dieser Stelle an Hans Jörg Franz von Xdream für die Unterstützung. Es ist die Natur, die mich schon bei meinem allerersten Snowboardtag fesselte. Und seither immer und immer wieder. Das ist Freiheit: die Stille, die unberührten Tiefschneehänge, die Luft – diese Märchenwelt zaubert mit einen Dauersmile ins Gesicht. Es ist wie ein Traum, aus dem du nicht erwachen willst: Mit jedem Schwung im Powder spüre ich in jeder Zelle, wie sehr ich diesen Sport liebe. Ja, auch das Rennfahren, das Ringen um die schnellste Linie und um Hundertstelsekunden – auch das bin ich. Das ist so klar für mich, aber wenn ich jetzt so weg bin von einem Snowboard-Racegate. Die Perfektion von einem optimal ausgewogenen Carvingschwung. Die Geschwindigkeit. Snowboarden ist vielfältig, aber der Flow fühlt sich immer wieder gleich an, egal auf welchem Brett ich stehe.
Diese ersten beiden Powdertage waren eine Liebeserklärung an meinen Sport. Genau deshalb bin ich hier. Denn diese Ressource-Momente sind es dann wieder, die als innerer Film in mir ablaufen, wenn der Trainingsalltag hart ist – diese inneren Bilder werden mich durchtragen bis Pyeongchang, auch wenn es zwischendurch – wie wir Wintersportler sagen: zach wird. Es tut unendlich gut, so weit weg von den üblichen Routinen zu sein. Hier, dieses Paradies, flutet mich ganztägig mit Dankbarkeit. Dafür, dass ich einen Job habe, der pure Begeisterung ist. Und für die Menschen, die den Weg mit mir gemeinsam gehen.

Die Fahrt von Terrace nach Prince Rupert durch das wunderschöne Kanada macht die Seele frei. Viel sitzen, klar, kurze Road-Yoga-Einheiten halten dennoch erstaunlich frisch, obwohl ich eigentlich Jetlag haben sollte ;-)) Es verstärkt dieses wunderbar satte Gefühl innerer Ruhe und Zufriedenheit. Ich fühle mich angekommen, obwohl ich in the middle of nowhere bin. Die Gespräche mit Locals am Lagerfeuer machen den fremden Ort vertrauter. Wir erzählen uns Geschichten. So entsteht Verständnis und Interesse. Wie überall auf der Welt. 05:30 Terrace Airport. Etwas spät beim Check-in. Wie so oft geht es sich doch noch alles aus. Das Flugzeug hebt ab zu unserem nächsten Stopp: Anchorage, Alaska.

Demnächst mehr Ihr Lieben. Mein Bruder Georg ist übrigens auch mit dabei und hält unseren Trip gleich in Bildern fest 🙂

xxoo eure Julia 🙂