Blog-Themen entstehen aus Fragen, die mir gestellt werden. Etwa der Sportreporter-Klassiker: „Dein Ziel für…?“ (Jetzt: Moskau) Die Sammelantwort für den Rest des Winters und alle Destinationen füllt keinen Blog: Für mich geht´s um Podiumsplätze! Rufzeichen! Podestplätze sind die Folge, wenn die Königsdisziplin im Spitzensport gut gelingt. Den Fokus halten und – bestimmt habt ihr den Satz schon ein, zwei, vielleicht auch ein paar tausend Mal gehört – „alles andere wegblenden“. Alles, was den Renn-Fokus stören könnte.

„Wie machst du das – alles andere wegblenden?“ Gute Frage neulich via Facebook, gutes Thema. Es gibt natürlich viele Ansätze um den Fokus, genau in dem Moment wo man ihn braucht, auch wirklich zu haben. Letztlich, ist es bei mir immer das Vertrauen, dass mich in den Flowzustand bringt. Vertauen auf die eigenen Fähigkeiten. Atmen und den Körper spüren – nicht abdriften in Gedankenschleifen wie: „Was könnte sein wenn.. “ Oft ist es leichter gesagt, als getan. Das kennt jeder von uns. Oft kommen die Gedankenschleifen als Jammerei daher, die sehr gut als konstruktive Kritik verkleidet ist ;-)) In meinem Fall könnte das beispielsweise beim Thema Single-Format passieren. Bei all dem Für und Wider, das es zu diesem Thema gibt, ist objektiv richtig, dass dieses Lucky-Run-Format zwangsläufig sportlich nicht so fair und ausgewogen sein kann, wie das mit Re-Run. Trotzdem: Sich in diesen Gedanken vor einem Rennen zu verlieren, schwächt.

Was also tun mit den unförderlichen Gedankenschleifen? Ich mache das mit solchen Gedanken so: 1) Bewusst wahrnehmen 2) annehmen 3) loslassen. Wenn das noch immer nicht hilft dann: „Es ok, dass ihr da seid. Es wäre noch besser, wenn ihr Montag nach dem Rennen wieder kommt – da hätte ich Zeit 🙂 haha. Hilft immer 😉

Ausblenden ist das eine – die Frage ist dann: Was denke ich stattdessen?

An die positiven Erfahrungen aus der letzten Zeit. An Platz 2 in Bad Gastein und Platz 5 in Rogla. Daran, wie es sich anfühlt wenn ich halb im Powder versinke 🙂 An das Gefühl von Balance auf einer Slackline oder an die Gedankenlosigkeit beim Kiten. Daran, wie es sich in meinem Körper anfühlt, dass der Groundspeed wieder stimmt. Daran, dass die Rampe in Moskau – weil komplett geologiefrei – der fairste Hang in der ganzen Saison ist. Und dass ich in Moskau einen zusätzlichen, kleinen Vorteil habe: Ich muss mich nicht einfahren vor einem Rennen, gleich auf Racemodus schalten, ist für mich auch ok. Freilich unterstützt Yoga jeden Fokussierungsprozess – aber: auch von diesem Ritual will ich nicht „abhängig“ sein. Mental kann man überall trainieren.

Ziel für Moskau: Podestplatz. Tiefstapeln war nie mein Ding. Ich hätte das Gefühl, meine Kraft nicht voll zu aktivieren und nicht in diesen (Flow-)Zustand zu kommen, wo das bewusste Denken mit unbewussten Abläufen nicht mehr mitkommt. Um den Zustand geht´s aber, alles andere ausblenden, gerade in Moskau. Wird gut: Du fährst in völliger Dunkelheit mit einem Baulift nach oben, steigst auf der Rampe aus, siehst das Lichtermeer von Moskau. Manchmal sackt der Lift kurz ab – und alle sehen sich mit großen Augen an. Kein Einfahrschwung, nur maximal 15 Tore, alles Hundertstelentscheidungen: That´s racing and I am r*e*a*d*y. Zwei Mal war ich schon am Podium hier, einmal, 2010, eine Woche nach den Olympischen Spielen in Vancouver, für die ich mich nicht qualifiziert hatte. Plötzlich war ich damals wieder – zurück im Spiel.

Heuer könnte ich mich wieder zurück ins Spiel bringen: um die Weltcupkugel im Slalom. Was ist zu tun? Keep it simple! Schwung um Schwung. Lauf um Lauf. Alles andere ausblenden. Versuchen, im Rennen die beste Version meiner selbst zu sein. Wie alle anderen auch.

Ich lasse euch wissen, wie es mir dabei ergangen ist. Bis dahin, Ihr Lieben – S*M*I*L*E & #betheREALyou <3

xo Eure Julia

und ja, bevor ich es vergesse… danke für euer Mitgehen, fürs Daumendrücken und eure positive Vibes :))